min niuwes hus.

lieber mueder bruoder.

Das sind zwei Merksätze aus der germanistischen Mediävistik (zu deutsch: aus dem Bereich der Germanistik, die sich mit der Literatur und der Sprache des Mittelalters beschäftigt). Sie helfen Studenten der eben genannten Ausbildungsrichtung sich an die Phänomene des Sprachwandels vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen zu erinnern. Gemeint sind hier ERSTENS: die Diphthongierung (aus einem Monophthong wie “i” wird ein Diphthong wie “ei”) und ZWEITENS: die Monophthongierung (aus einem Diphthong (“ue”) wird ein Monophtong(“ü”)). So wir aus den oben genannten Sätzen innerhalb von ein paar hundert Jahren

mein neues Haus

und

lieber, müder Bruder

Ich gebe zu, das ist gar nicht so leicht verständlich und erst recht nicht wirklich interessant, aber es ist für meinen Artikel leider unabdingbar, dass ihr annähernd eine Ahnung von der Materie habt, von der hier die Rede ist.

Nun zum eigentlichen Artikel. Wie wir gerade also gemeinschaftlich festgestellt haben ist Mediävistik ein Fach, das schon sehr viel Leidenschaft für seinen Inhalt fordert. Ich habe diese Leidenschaft leider nie in mir entfachen können. Aber ich habe daraufhin nicht etwa mein Studienfach gewechselt, nein, ich hab die Zähne zusammengebissen und diesen Kurs gleich zweimal belegt. Viele werden sich jetzt fragen, was studiert die denn jetzt eigentlich genau?

Ich sag es euch: Lehramt an Hauptschulen.

JA!, wer sich für diesen Job das Unterrichtsfach Deutsch aussucht, sieht sich in seinem Studium tatsächlich mit mittelalterlicher Literatur, dem Theater des Expressionismus und theoretischen wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Marionetten und Masken konfrontiert.

Angesichts der PISA-Studie ist es ja wohl auch unumgänglich die Lehrkräfte an Hauptschulen (deren Ausländeranteil mittlerweile ca. 70% beträgt) in Mediävistik und wissenschaftlichem Arbeiten auszubilden. Schließlich sollen die Kinder ja, wenn sie schon das Neuhochdeutsche, das Lesen und das Schreiben von normalen Aufsätzen nicht beherrschen von einer fachlich qualifizierten Lehrkraft unterrichtet werden. Auch wenn diese dann natürlich keine Ahnung hat, wie man einen Aufsatz verbessert und benotet oder wie man Schülern mit Migrationshintergrund am besten die neuhochdeutsche Sprache näher bringt.

Aber wer braucht denn schon das öde Neuhochdeutsch, wenn er Mittelhochdeutsch kann?